Geschichte

Die DA verdankt ihre Entstehung und Entwicklung den geistigen Erneuerungen, die auf die beiden Weltkriege folgen. Es gab ein wissenschaftliches Unbehagen über die traditionelle systematisierende klinische Psychopathologie und die Suche nach einem neuen Grundlagenverständnis menschlicher Existenz und deren Störungen. Die Erhellung der Grundstrukturen des Menschen ist eine Vorbedingung die der unmittelbaren Aufnahme des Gegebenen (Empirie) vorausgeht. Für diese Klärung braucht es eine phänomenologische Wesensschau, welche die Empirie durchdringt. Unter dem Eindruck von Martin Heideggers "Sein und Zeit" (1927) wies der Begründer der DA, Ludwig Binswanger (1881-1966), Schritt für Schritt nach, wo und wie eine monopolisierte naturwissenschaftliche Denkmethode im Bereich menschlichen Verhaltens zu kurz greift und gerade das spezifisch Menschliche unseres Existierens verfehlt. "Welt" ist in Heideggers Daseinsanalytik nicht mehr Objekt, von einem ichhaften Subjekt getrennt wie in der cartesianischen Philosophie, die für Naturwissenschaften Grundlegend wurde, sondern von Anfang an und untrennbar "Mitwelt". Vor aller Unterscheidung von "gesund" und "krank" steht der Mensch und seine Welt, der Mensch leibhaftig anwesend und situiert in und mit seiner Welt. Medard Boss (1903-1990) erweiterte den Anwendungsbereich der DA auf die Gebiete der Neurosenlehre, der Psychosomatik und der Traumlehre und begr?ndete die DA als eigene Richtung der Psychotherapie.